Friedensgemeinde und Salzertgemeinde Lörrach

Predigt am 16.4.2017; Mt 28,1-10

Andreas Klett-Kazenwadel

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. (2Kor 13,13)

 

Liebe Gemeinde,

 

den Jüngerinnen und Jüngern sitzt der Schreck noch in den Knochen. Es kam tatsächlich zum Äußersten. Jesus ließ sich nicht aufhalten und so nahm das Unglück seinen Lauf. Jesus stirbt am Kreuz.

 

Davon berichtet das Evangelium in dramatischer Art und Weise: Von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: „Eli, Eli, lama asabtani?“   -   Das heißt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Jesus schrie abermals laut und verschied. Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus. Und die Erde erbebte. (Mt 27, 45f.50f)

 

Bei der Kreuzigung direkt mit dabei waren Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus und Josef, und die Mutter der Söhne des Zebedäus. Finsternis und Erdbeben als Jesus stirbt. So erleben es die Jüngerinnen und Jünger. Nicht nur äußerlich, sondern vor allem innerlich. Jesus ist tot. Das betrübt die Weggefährten, ihre Stimmung verfinstert sich. Trauer befällt sie und überschattet alles wie dunkle Gewitterwolken.

Den Boden hat es ihnen unter den Füßen weggezogen. Es ist wie ein Beben in ihren Herzen. Ein Stich, Schock.

 

Und das Nachbeben erleben sie gleich am anderen Morgen. Sie machen sich auf zum Grab.

Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.

 

Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben.

Denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.

Seine Erscheinung war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee.

 

Aber der Engel sprach zu den Frauen: „Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.

Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat.

Kommt und seht die Stätte, wo er gelegen hat; und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten.

Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.“

 

Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen.

 

Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: „Seid gegrüßt!“

Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder.

 

Da sprach Jesus zu ihnen: „Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen.“

 

Die Frauen gehen weg vom Grab mit Furcht und großer Freude. Ostern ist wie ein Wechselbad der Gefühle. Trauer, Verzweiflung, Erschrecken, Furcht. Aber genauso Freude, neue Hoffnung, Erleichterung.

 

Die Frauen hören die Osterbotschaft: Jesus ist auferstanden von den Toten. Und sie laufen weg vom Grab. Aber fassen und begreifen können sie das, was sie dort gesehen und gehört haben, nicht. Unglaublich, dass Jesus, gekreuzigt und gestorben, am dritten Tage auferstanden sein soll von den Toten.

 

Zutiefst menschlich ist das. Zweifeln, kritisch sein, was ich mir nicht erklären kann, das kann einfach nicht sein. Was ich nicht sehe, das glaube ich auch nicht. Gefühle können täuschen, man darf nicht jeder Nachricht Glauben schenken. So reden, denken und leben wir. Verrückt finde ich, dass viele Menschen schlechte Nachrichten eher glauben, als besonders gute. Geht es ihnen auch so? Mit schlimmen Dingen rechnen viele eher als mit guten.

Auch der Tod ist uns näher als die Auferstehung. Dass wir sterben werden glaubt, ja weiß jeder und jede. Doch dass wir auferstehen werden…?

 

Die Frauen konnten es nicht fassen und begreifen. Und so schenkte Gott ihnen neben dem leeren Grab und dem Engel noch ein weiteres Osterwunder: Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: „Seid gegrüßt!“

 

Die Frauen haben das leere Grab gesehen, sie haben die Worte des Engels gehört und nun dürfen sie die Auferstehung auch noch spüren. Das nenne ich mal mit allen Sinnen Ostern erfahren. Die Frauen traten zu ihm und umfassten seine Füße.

Jetzt können sie erfassen und begreifen, was da geschehen ist. Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!!!

 

Ostern ist die neue Hoffnung für die Erdbebenopfer auch unserer Zeit, Hoffnung für diejenigen, denen der Boden unter den Füßen wankt, die wie vom Donner gerührt dastehen, weil sie die Welt nicht mehr verstehen, die von einer schlimmen Nachricht wie vom Blitz getroffen wurden…

 

An Ostern können die Frauen ins leere Grab schauen und wir dürfen einen Blick werfen in Gottes Herz und seine Wirklichkeit. Wir verzweifeln oft genug an seinem Willen, verstehen den Lauf der Dinge nicht, sondern halten Gott all unser Leid und die Zustände in der Welt vor.

Doch das leere Grab kündet von noch einer anderen Wirklichkeit. Von Gottes Liebe, die auch durch Gewalt, Hass, Krankheit, Krieg und Tod nicht zu bezwingen ist. Die sich immer wieder Bahn bricht, die immer wieder dort aufblitzt, wo Menschen ans Gute glauben, wo Menschen füreinander da sind, wo Liebe gelebt wird und Versöhnung möglich ist.

 

Ostern macht Mut zu einem Neuanfang. Wo kein Weg zu sein scheint, da geht es doch weiter. Wo sich Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit breit machen, kann es zum Aufbruch kommen, der in eine gute Zukunft führt. Wer damit rechnet, lebt österlich. Glauben wir daran und lassen wir uns darauf ein, so wird das Licht von Ostern auch unsere Herzen hell machen.

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. (Phil 4,7)                                 Amen.

 

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